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Schmerzfrei dank moderner Therapie

Schmerzfrei dank moderner Therapie

Dank moderner Schmerztherapie kann sich Helger Hochberg heute wieder schmerzfrei bewegen. Der 84-Jährige leidet am diabetischen Fußsyndrom. Dabei handelt es sich um eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus. Die dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerte schädigen dabei die Nerven und Blutgefäße der Füße. In deren Verlauf kann es zu dauerhaften Schmerzen, Wundheilungsstörungen und im schlimmsten Fall auch zur Amputation der Extremität kommen. Bereits 2024 stellte sich Helger Hochberg mit einer ausgeprägten Wundheilungsstörung am linken Fuß begleitet von starken Schmerzen in der Notfallaufnahme vor. Die Kollegen erkannten die Situation und zogen Ilhami Benli, Chefarzt der Gefäßchirurgie in den Ilm-Kreis-Kliniken mit hinzu. „Die medizinische Situation war kritisch, im schlimmsten Fall drohte eine Amputation des betroffenen Beines“, erinnert sich Ilhami Benli.

Neben der Verbesserung der Durchblutung kam eine spezielle Form der Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation, kurz SCS) zum Einsatz, um die Schmerzen zu lindern. „Bei diesem Verfahren wird zwischen den Wirbeln eine kleine Sonde eingesetzt, die dann über feine Elektroden ständig elektrische Impulse an das Rückenmark abgibt. Diese sorgen letztlich dafür, dass die körpereigenen Schmerzsignale überlagert werden“, beschreibt der Mediziner die für diese Erkrankung innovative Behandlung. Nach einer erfolgreichen Testphase implantierten die Gefäßchirurgen ein solches System dauerhaft bei Helger Hochberg. Heute ist er schmerzfrei, seine Lebensqualität hat sich deutlich verbessert – und auch das betroffene Bein konnte erhalten werden.

Der Fall zeigt exemplarisch, wie entscheidend spezialisierte Versorgungsstrukturen sind – und warum Chefarzt Ilhami Benli den Aufbau eines Amputationsverhinderungszentrums für die Behandlung derart komplexer Krankheitsbilder als zentral erachtet.

Was verbirgt sich hinter dem Gedanken eines Amputationsverhinderungszentrums?

Ilhami Benli: Ein Amputationsverhinderungszentrum ist ein Ort, an dem Menschen mit schweren Durchblutungsstörungen, chronischen Wunden oder diabetischem Fußsyndrom besonders schnell und umfassend versorgt werden. Unser Ziel ist es, Amputationen zu vermeiden, indem wir Gefäßprobleme frühzeitig erkennen, Wunden professionell behandeln und die Durchblutung wiederherstellen. Dafür braucht es verschiedene Fachrichtungen, etwa die Diabetologie, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Für die Patienten heißt das: kurze Wege, schnelle Entscheidungen und eine Behandlung aus einer Hand.

Wie viele Amputationen (aufgrund von Gefäßerkrankungen) gibt es in Deutschland?

Ilhami Benli: In Deutschland werden jedes Jahr rund 40.000 bis 50.000 Amputationen an den unteren Extremitäten durchgeführt – ein großer Teil davon aufgrund von Gefäßerkrankungen oder Diabetes. Viele dieser Eingriffe wären vermeidbar, wenn Betroffene früher spezialisierte Hilfe erhalten würden.

Welche Probleme in der bisherigen Versorgung möchten Sie mit dem Zentrum gezielt verbessern?

Ilhami Benli: Viele Patientinnen und Patienten kommen zu spät zu uns – oft erst, wenn die Wunde bereits infiziert oder die Durchblutung stark eingeschränkt ist. Unsere Ziele sind eine frühzeitige Diagnostik, schnelle gefäßmedizinische Abklärung, optimale Wundversorgung, klare Therapieentscheidungen und eine enge Abstimmung zwischen Hausärzten, Diabetologen, Gefäßchirurgen und Wundexperten.                                                                      Damit bieten wir einen Gesamtblick auf die Erkrankung.

Für welche Patientengruppen ist das Zentrum insbesondere gedacht?

Ilhami Benli: Wir denken hier vor allem an Menschen mit:

  • Diabetes mellitus,
  • peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK),
  • chronischen oder schlecht heilenden Wunden,
  • Durchblutungsstörungen nach Operationen,
  • Raucheranamnese oder Gefäßverkalkungen,
  • wiederkehrenden Infektionen am Fuß.
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Bei welchen Symptomen sollten Betroffene einen Arzt konsultieren?

Ilhami Benli: Wie bei vielen Erkrankungen gilt auch hier, je früher Patienten zu uns kommen, umso besser. Erste Warnzeichen sind Schmerzen beim Gehen wie sie bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit („Schaufensterkrankheit“) zu Beginn auftreten, schlecht heilende Wunden, ein Taubheitsgefühl, Brennen oder Verfärbungen der Zehen beziehungsweise des Fußes.

Wie sieht die Behandlung zur Verhinderung von Amputationen aus?

Ilhami Benli: Der Ablauf ist klar strukturiert: Bei der Erstvorstellung untersuchen wir den Patienten gründlich, beurteilen vorhandene Wunden und führen eine Durchblutungsmessung durch. Es folgen bildgebende Verfahren, etwa eine CT-Angiographie, Ultraschalluntersuchungen oder ein MRT. Diese helfen uns dabei, Engstellen oder Verschlüsse zu erkennen. Im nächsten Schritt besprechen wir die Ergebnisse in einem interdisziplinären Team bestehend aus Gefäßchirurgen, Diabetologen, Experten für Wundmanagement und Radiologen. Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, etwa eine Versorgung mit speziellen Schuhen oder Einlagen, die professionelle Wundbehandlung oder Katheterverfahren beziehungsweise Operation. Ziel ist es, die Durchblutung wiederherzustellen, zumindest zu verbessern. Eine zentrale Rolle spielt die Nachsorge. Mit engmaschigen Kontrollen wollen wir Rückfälle vermeiden. Unser Ziel ist immer: Bein erhalten statt amputieren.

Gibt es eine Erfahrung aus Ihrem Berufsalltag, die Ihnen besonders deutlich gezeigt hat, wie wichtig Amputationsvermeidung ist?

Ilhami Benli: Ja, viele. Besonders eindrücklich sind Fälle, in denen Patienten bereits eine Amputation empfohlen bekommen hatten und sich an uns gewandt haben. Durch die schnelle Wiederherstellung der Durchblutung und konsequente Wundbehandlung konnten wir bereits in mehreren Fällen das Bein doch erhalten. Zu sehen, wie Menschen dadurch ihre Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität behalten, zeigt uns jeden Tag, wie wichtig diese Arbeit ist.

Haben Sie eine Botschaft an Patienten, die Angst vor einer drohenden Amputation haben?

Ilhami Benli: Ja. Sie sind nicht allein – und eine Amputation ist heute oft vermeidbar. Je früher Sie sich melden, desto größer sind die Chancen, Ihr Bein zu erhalten. Wir nehmen Ihre Sorgen ernst, wir hören zu, und wir tun alles, was medizinisch möglich ist, um gemeinsam mit Ihnen einen Weg zu finden, der Ihnen Sicherheit gibt.