Sakrale Nervenstimulation hilft Patienten bei Stuhlinkontinenz
Kathleen Braun hatte es versprochen, nicht nur sich selbst, sondern auch Jan Hähnlein, dem Mitbegründer des HEROS Spendenmarsch. Sie wollte die 25 Kilometer laufen, um Spenden für die NCL Stiftung zu sammeln. Diese engagiert sich im Kampf gegen Kinderdemenz. Bisher hatte ihre Erkrankung genau das verhindert. Seit vielen Jahren litt Kathleen Braun unter Stuhlinkontinenz. Ein normales Leben nicht denkbar. Jede Aktivität außer Haus plante sie genau. Inkontinenz ist bis heute ein Tabuthema. Dabei leiden laut Zahlen der Deutschen Kontinenz Gesellschaft etwa 5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland darunter.
Hoffnung gab es für Kathleen Braun als sie mit ihren Beschwerden zu Dr. med. Toralf Wolkersdörfer kam. Der Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie der Ilm-Kreis-Kliniken klärte sie über die sakrale Nervenstimulation mit Hilfe eines Schrittmachers auf. „Einen Schrittmacher fürs Herz kennt jeder, aber einen Darmschrittmacher kennen die meisten nicht. Mir ging es da nicht anders“, erzählt Kathleen Braun rückblickend. Im Februar bekommt sie den Schrittmacher eingesetzt. „Bei einem kleinen Eingriff platzieren wir den Schrittmacher im oberen Gesäßbereich“, erklärt Dr. med. Toralf Wolkersdörfer. „Eine feine Elektrode stimuliert dann wichtige Nerven des Beckenbodens und stellt quasi die Funktion des Schließmuskels wieder her. Bedienen lässt sich der Schrittmacher mit einer Handysteuerung. Per Knopfdruck kann die Patientin die Einstellungen kontrollieren und verändern“, so der Mediziner, der von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. als Beratungsstelle zertifiziert ist.
Kathleen Braun ist mit dem Ergebnis mehr als zufrieden: „Ich bin Dr. Wolkersdörfer für dieses „neue“ Leben unendlich dankbar. Ohne die tolle Behandlung in den Ilm-Kreis-Kliniken wäre das alles nicht möglich gewesen. Ich komme aus Erfurt und bin dafür extra in die Klinik nach Arnstadt gekommen und würde es immer wieder so machen“. Wenige Monate nach dem Eingriff ist es im Juni endlich soweit. Kathleen Braun tritt beim HEROS Spendenmarsch an. Der Lauf war nicht ohne, ab und an war ihr nach Aufgeben, sie zieht durch und kommt erschöpft, aber überglücklich nach 25 Kilometern ins Ziel. „Ohne Darmschrittmacher wäre an den HEROS nicht mal zu denken gewesen und mir ist es einfach wichtig, dass mehr darüber gesprochen wird. Vielleicht erfahren mit so einem Beitrag auch andere Betroffene davon und von der Chance auf ein relativ normales Leben.“
Glücklich im Ziel Kathleen Braun (Mitte) mit dem Organisator des HEROS Spendenmarschs Jan Hähnlein (re.) (Foto: Fredi Solcher)